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egeNews – 24. November 2025

Nachhaltige Kunststoffrohre – Chancen und Grenzen moderner Recyclingmethoden

Nachhaltigkeit in der Lieferkette ist ein wichtiges Entscheidungskriterium für Kommunen, Versorger und Netzbetreiber. Kunststoffrohre haben insgesamt eine sehr gute Umweltbilanz, insbesondere auch im Vergleich zu anderen Werkstoffen. Ein Überblick zu Recycling, biobasierten Materialien und Environmental Product Declarations (EPDs), die den ganzen Produktlebenszyklus bewerten.

In vielen Bereichen, etwa in der Wasserversorgung, Abwasserentsorgung oder im Bauwesen, sind Rohre aus Kunststoff heute unverzichtbar. Dennoch stehen sie aufgrund ihrer fossilen Herkunft und potenzieller Umweltbelastung im Fokus der Nachhaltigkeitsdiskussion. Dabei sind Kunststoffrohre auch heute schon nachhaltiger als ihr Ruf ihnen nachsagt.

©istockphoto.com_Vadimborkin

© envato.com / Anna Ostanina

Recycling in der Kunststoffrohr-Herstellung

egeplast verarbeitet hauptsächlich den thermoplastischen Kunststoff Polyethylen und verwertet den hausintern beim An- und Abfahren der Produktionslinien anfallenden Ausschuss zu 100 % wieder. So wird jedes Gramm Kunststoff letztendlich zu einem Rohr und kein Material wird verschwendet.

Der Anteil an zugekauften Recyclingmaterialien ist gering, da es – bedingt durch die sehr lange Nutzungsdauer von Kunststoffrohren – schlicht wenig Rückläufe gibt. Denn Kunststoffrohre erfüllen über einen sehr langen Zeitraum ihren Zweck und es gibt keinen
Grund, diese Rohre auszutauschen.

Grundsätzlich können am Markt erhältliche thermoplastische Kunststoffrezyklate problemlos dem Verarbeitungsprozess zugeführt und zu neuen Rohren verarbeitet werden. Allerdings ist die Qualität dieser recyclierten Materialien nicht mit denen der ursprünglich eingesetzten Materialien zu vergleichen. Daher werden recycelte Materialien heute nicht für Druckrohre oder gar Trinkwasserrohre eingesetzt, sondern kommen nur im Bereich der drucklosen Abwasserentsorgung, des Regenwassermanagements sowie des Kabelschutzes zum Einsatz. 

Bestehende Ansätze des Recyclings

Aktuell gibt es verschiedene Methoden, Kunststoffe zu recyceln:

Post-Consumer-Rezyklate (PCR):
Wiederverwendung von Kunststoffen aus Haushaltsabfällen (z. B. aus Verpackungen) in der Rohrproduktion

Post-Industrial-Rezyklate (PIR):
Nutzung von Industrieabfällen, z. B. Produktionsreste aus der eigenen Fertigung

Multilayer-Strukturen:
Verwendung von Rezyklat im Kern der Rohre, während die äußere Schicht aus Neuware besteht (für hygienische oder technische Anforderungen)

Hierbei wird zwischen dem chemischen und dem physikalischen Recycling unterschieden.

Beim chemischen Recycling werden die Polymere auf molekularer Ebene in
ihre chemischen Grundbausteine zerlegt.

„Kunststoffrohre haben insgesamt eine sehr gute Umweltbilanz.“
Dr.-Ing. Thorsten Späth

Diese können nach der Zerlegung anschließend wieder zur Herstellung neuer Kunststoffe genutzt werden, welche die Qualität von Neuware haben. Leider ist das chemische Recycling sehr energie- und kostenintensiv.

Hingegen bleibt beim physikalischen Recycling die chemische Struktur unberührt.

Bei dieser Form des Recyclings werden Kunststoffe zerkleinert und anschließend wieder aufbereitet, so dass in Zukunft neue Rohre aus diesem Material extrudiert werden können. egeplast nutzt mechanisches Recycling der eigenen Post-Industrial-Rezyklate, um der ökologischen Verantwortung gerecht zu werden und ressourcenschonender zu arbeiten.

Nachhaltigkeit im Fokus

Darüber hinaus gibt es Ansätze, das Basismaterial für unsere Rohre, das Polyethylen, nicht aus fossilen Rohstoffen, sondern nachwachsenden Rohstoffen zu fertigen. Diese sogenannten biobasierten Kunststoffe können die gleichen Eigenschaften wie die fossilbasierten Materialien aufweisen, sind aber CO2-ärmer in ihrer Fertigung. Hemmender Faktor ist hier die begrenzte Verfügbarkeit der nachwachsenden Rohstoffe, was sich auch deutlich auf den Preis der Materialien auswirkt.

Da biobasierte Kunststoffe, die sich nur in ihrer Herkunft, aber nicht ihrer Qualität von den fossil basierten Materialien unterscheiden, nur begrenzt verfügbar sind, haben sich massenbilanzierende Ansätze etabliert, so dass ein Hersteller genauestens dokumentieren kann, welcher Kunde welchen Rohstoff bekommt:

Mithilfe des Massenbilanzsystems wird buchhalterisch verfolgt, wieviel nachhaltiger Rohstoff eingesetzt wurde. Ein Teil der daraus produzierten Polymere darf als „ISCC PLUS-zertifiziert“ deklariert werden – entsprechend dem Anteil der eingesetzten nachhaltigen Rohstoffe.

Dabei wird das Endprodukt nicht physisch gekennzeichnet, sondern mithilfe des Massenbilanzsystems der nachhaltige Anteil rechnerisch verteilt. So wird ermöglicht, dass auch nachhaltige Rohstoffe eingesetzt werden, ohne eine Anpassung des Produktionsprozesses zu erfordern. Der zertifizierte Anteil wird dokumentiert, um so eine überprüfbare und transparente Nachhaltigkeitskommunikation gegenüber den Kunden zu ermöglichen.

Mehr Transparenz dank EDPs

Wie nachhaltig verschiedene Bauprodukte sind, kann neben dem Rohstoff auch stark von der Fertigung abhängen. Wird grüne Energie eingesetzt? Gibt es geschlossene Kreisläufe für Kühlwasser etc.? Diese Aspekte können objektiv mithilfe von Umweltlabels wie EPDs verglichen werden.

Die Nachhaltigkeitswerte der EPDs basieren im Gegensatz zu anderen Zertifizierungen nicht nur auf der Produktion, sondern beziehen sich auf den gesamten Produktlebenszyklus eines Produktes. Dieses standardisierte Verfahren ermöglicht dem Endkunden einen einfachen Vergleich, um auch Nachhaltigkeit in der Entscheidungsfindung berücksichtigen zu können.

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